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Neuigkeiten aus der Psychologie

 

Diagnostik

Die Diagnose und Behandlung psychischer Krankheiten

Aus Psychologie Heute Heft Juli 2010

Ethan Watters: Psychischische Krankheiten. Bestimmt der Westen, was uns seelisch krank macht?

Psychische Krankheiten sind je nach Land verschieden. Und so müssen sie auch behandelt werden.
Watters kritisiert das Aufpfropfen menschlichen Leidens auf andere Kulturkreise. Er meint, wir exportieren nicht nur unser Repertoire an Symptomen und an Behandlungsstrategien, sondern gleichzeitig auch unsere Wahrnehmung psychischer Leiden in die jeweilige Kultur.
Jede Kultur und jedes Jahrhundert, jede andere Zeit hat ein gewisses Repertoire an Symptomen, dessen sich unser Unbewusstes bedient, um psychische Konflikte auszudrücken, das vermutet Watters.
Das Problem besteht darin, dass Ärzte und Psychologen letztlich nur jene Symptome und Krankheiten diagnostizieren und behandeln, die ihnen vertraut sind.

Aus dieser Beschränktheit in Diagnose und folglich der Behandlung können sich für betroffene Parteien hinsichtlich Diskrepanz ihrer erforderlicher und tatsächlicher Behandlung mannigfaltige Probleme ergeben, vgl. Ethan Watters, How the US export it´s mental Illness, New Scientist, Band 2744, 2010, 26-27 und Ethan Watters, Crazy like us. The globalization of the american psyche, Free Press, New York 2010.


 

Arbeitspsychologie

Kirstin Dautzenberg: Klein, aber erfolgreich. Frauen sind umsichtige Unternehmerinnen

Oft sind Frauen zufrieden, wenn sie sich langsam aber sicher entwickeln. Das heißt aber nicht, dass Frauen mit weniger zufrieden wären oder gar, dass Frauen an Karriere und Erfolg weniger Interesse hätten.

Entscheidend ist nach den Forschungen von Frau Kirstin Dautzenberg hier nämlich die Frage der Definition von einem Erfolg. Forscher der Uni Potsdam um Kirstin Dautzenberg fanden nämlich heraus, dass Frauen sich als erfolgreich betrachten, wenn sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen. Männer hingegen trennen schon viel deutlicher, d.h. für sie ist Erfolg immer ein beruflicher Erfolg.

Quelle : Aus Psychologie Heute, Juli  2010

 

 

 

Alkohol im Job

Helfen statt Wegschauen

Die Alkoholsucht gehört nach wie vor zu den Tabuthemen am Arbeitsplatz. aber was kann man tun, wenn die Kollegin oder der Kollege trinkt  ?  Mit Wegschauen ist niemandem geholfen.

 

Tipps für Arbeitgeber :

Achten sie auf Verhaltensauffälligkeiten

Suchen Sie das direkte Gespräch

Zeigen Sie Fingerspizengefühl

Machen Sie konkrete Hilfsangebote 

Setzen Sie auf Prävention

 

Quellen : Institut fuer Therapieforschung, Deutsche Hauptstelle fuer Suchtfragen

 


 

Entwicklungspsychologie

Geborgenheit schützt bleibend.

Wer als Baby nicht liebevoll umsorgt wird, der hat lebenslang Gesundheitsrisiken. Forscher fanden heraus, bereits ein subtiler Mangel an emotionaler Zuwendung und Geborgenheit der Eltern in den ersten Lebensmonaten kann die psychische Gesundheit bis ins Erwachsenenalter beeinträchtigen.

Forscher an Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim fanden heraus, dass riskante Blutwerte die Folge sind, wenn die Babys von ihren Eltern nicht einfühlsam umsorgt werden. Forscher aus Dresden und Potsdam bestätigen das.


 

Rechtspsychologie

Empathie schlägt Folter.

Ob Verhörspezialitäten bei der Vernehmung von Entführern und von Terroristen Gewalt einsetzen dürfen, ist moralisch zweifelhaft. Fraglich ist jedoch, ob derlei Methoden überhaupt zielführend sind. Erfolgreiche Profis sind davon überzeugt, dass gute Vernehmer lustig wie Schlangen sein sollten, zugleich sanft wie Tauben sein sollten.

Ingrid Glomp bezieht sich u.a. auf Matthew Alexander, der herausfand, dass der Unterschied zwischen Zwang und Kooperation u.a. darin besteht, dass dir ein Gefangener unter Zwang das Minimum erzählt, z.B. die Lage eines Hauses, und bei einer kooperativen Atmosphäre dagegen das Maximum erzählt zum Beispiel, dass es dort Sprengfallen gibt, vgl. Matthew Alexander, How to break a terrorist. Free Press, New York 2008. Andererseits ist nicht jeder Verdächtige schuldig. Von dieser schlichten Binsenwahrheit, da sollten Ermittler immer von ausgehen können.

Mimilk ist oft ehrlicher als Worte

Nach Ekman ist das Gesicht der Spiegel der Seele. Die Mimik kann durchaus faszinierende Einblicke in den emotionalen Zustand eines Menschen liefern. Die Mimik ist oft ehrlicher als Worte.

Nach paul Ekman, der zur Entschlüsselung der nonverbalen Sprache entscheidend beigetragen hat, kann dadurch bis in die Abgründe der eigenen Psyche des BEtroffenen eingeblickt werden. Nach Ekman gibt es z.B. Mikroexpressionen, sie geben Einblicke in die Gefühle des Menschen, selbst wenn er sie unterdrücken möchte. Er konnte nachweisen, dass das sechs Grundemotionen, Freude, Trauer, Angst, Wut, Überraschung und Ekel, mit Gesichtsuasdrücken einergehen, die von Menschen auf der ganzen Welt verstanden werden.


 

Hilfe bei Angst- und Panikstörungen für Betroffene und Angehörige

Angst zu versagen - Behandlung

In der Therapie, insbesondere in einer kognitiven Verhaltsntherapie, werden Sie und Ihr Therapeut zunächst über die Ursachen für Ihre Angst vor Misserfolg sprechen. Die Angst zu versagen entsteht in Ihrem Kopf und genau da müssen Sie auch ansetzen, wenn Sie diese Angst überwinden möchten.

So lernen Sie in der Therapie, Ihre Maßstäbe und Bewertungen zu hinterfragen. Zusammen mit Ihrem Therapeuten suchen Sie nach Antworten auf Fragen wie: Wer hat diese Forderungen, die ich an mich stelle, formuliert? Welche Folgen haben diese Forderungen für mein Leben? Nach welchen Regeln will ich in Zukunft leben? Was bedeutet es für mich, zu versagen? Was ist daran so schlimm? Wie kann ich damit umgehen, wenn ich mal versagt habe? Ist es überhaupt möglich, immer alles richtig zu machen? Können Misserfolge nicht auch Chancen sein?

Sie lernen, sich realistische Ziele zu setzen und Fehler zuzulassen. Mit Hilfe von Vorstellungsübungen lernen Sie Ihre Misserfolgsangst abzubauen.

Da Ihre Misserfolgsangst umso größer ist, je mehr Sie sich im Geiste vorstellen und ausmalen, zu versagen, werden Sie lernen, diese Angstfantasien zu kontrollieren und durch positive Erfolgsgedanken und Vorstellungen zu ersetzen. Statt sich bei allem, was Sie tun, vorzustellen, wie Sie versagen, werden Sie lernen, sich auszumalen, wie Sie Erfolg haben und die Sache meistern.

Weitere wichtige Therapieziele sind die Stärkung Ihres Selbstwertgefühls und das Erlernen von Selbstbehauptungsstrategien. Sie lernen, sich selbst und Ihren Fähigkeiten mehr zu vertrauen und sich selbst mehr anzunehmen.

Je mehr Sie lernen, sich selbst anzunehmen, je mehr Sie von sich überzeugt sind, umso weniger Angst haben Sie, zu versagen.

Und schließlich wird Ihr Therapeut Sie zu Verhaltensübungen ermutigen, durch die Sie Ihre theoretischen Einsichten in der Therapie und Ihre Misserfolgserwartungen überprüfen sollen.

Sie lernen durch diese Übungen, sich den Situationen zu stellen, vor denen Sie Angst haben und erleben, dass Ihre Angst kein Grund ist, diese zu meiden.

Sie erfahren, dass es keine Katastrophe ist, sich zu blamieren oder Fehler zu machen. Unangenehm ja, aber keine Katastrophe. Sie lernen dadurch auch, dass eine Ablehnung zwar bedauerlich ist, aber kein Weltuntergang.

 

Die Konstruktionsprinzipien der Psyche

Welche psychischen Notwendigkeiten sind damit gemeint?  Welche Mechanismen der psychischen Regulation veranlassen uns, der kritischen Situation nicht angepasst zu denken? Aus dem weiten Feld der Allgemeinen Psychologie werden hier einige ,,Konstruktionsprinzipien“ der Psyche skizziert. Ausführlichere Informationen finden sich z.B. bei Bischof (1985), Dörner (1989, 1999), Lantermann (1985), Scherer & Ekman (1984).

Denken und Gedächtnis

Ökonomie Ressourcenschonung
Die Kapazität der menschlichen Informationsverarbeitung ist riesig- aber nur ein Bruchteil davon kann für das bewusste Denken genutzt werden. Denken geschieht sequenziell, nur wenige Einheiten können gleichzeitig verarbeitet werden, insbesondere dann, wenn das Denken in sprachlicher Form abläuft. Bewusstes Denken ist also vergleichsweise langsam und mühevoll. Weil dies so ist, haben wir sehr effiziente Mechanismen entwickelt, um wenig denken zu müssen! Vorrangig sind hier Mechanismen der Komplexitätsreduktion und die Bildung von Handlungsroutinen (Gewohnheiten) und Automatismen zu nennen (vgl. Rasmussen, 1983). Die Tendenz, Routinen zu bilden, zeigt sich auch in den von Reason (1990) identifizierten basalen Heurismen: Man tut das, was man bislang am häufigsten erfolgreich tat (,,frequency gambling“), und man tut das, was man in ähnlichen Situationen schon mal tat (,,similarity matching“). Zur Analyse neuer, komplexer Situationen taugen Routinen aber wenig, hier würde bewusstes Denken gebraucht- wenn man sich bei komplexen Problemen auf Routinen und Automatismen verlässt, ist man fehleranfälliger, eben weil die Situation neue Lösungen verlangt.

Die Tendenz, bewusstes Denken zu vermeiden, scheint sich manchmal zu
verselbständigen. Wir bei Überlastung die Schonung der kognitiven Ressourcen  (implizites) Handlungsziel (s.o.), führt dies zu etlichen der oben aufgezeigten Formen der Handlungsorganisation, z.B. der Tendenz zu allgemeinen Handlungen, der mangelnden Ziellaboration /-balancierung, der Zentralreduktion oder der Tendenz, die Bedingungen für das Handeln nicht zu überprüfen.

Aktives Gedächtnis
Das menschliche Gedächtnis ist kein Speicher, auch wenn etliche Gedächtnismo delle dies nahe legen. Im Gegenteil: Die im Gedächtnis ,,abgelegten“ Inhalte werden kontinuierlich verändert und umorganisiert, so wie es den aktuellen Bedürfnissen und der Lebenssituation an besten entspricht. Erinnerungen sind eher Rekonstruktionen als Abrufe. Die einzelnen Inhalte unseres Gedächtnisses sind assoziativ miteinander verknüpft, was einen ungemein schnellen Aufruf persönlich relevanter Information erlaubt nur dass persönlich relevant nicht immer sachlich relevant bedeutet. Auch sind Lernen und Erinnern emotionsabhängig: emotional stark aufgeladene Inhalte fallen uns z.B. schneller wieder ein. Zudem hat unser Gedächtnis die Fähigkeit, zu vergessen; diese ist nötig für die Bildung von Abstraktionen und erlaubt uns auch, neue Lösungen zu finden für Situationen, die uns irgendwann schon einmal begegneten. Das ,,aktive Gedächtnis“ ist genauso zwiespältig wie unsere geistige  Sparsamkeit, da es Irrtümer erlaubt und wir nicht zuverlässig unterscheiden können, was wir rekonstruieren und was wir erinnern. Das Vergessen führt  zudem dazu, dass unsere Vorstellung von Zeitabläufen nicht präzise ist  (eindrucksvolle Beispiele finden sich bei Dörner, 1989). Über das Prinzip der Bahnung (,,was oft aufgerufen wird, ist am leichtesten wieder zugänglich“) neigen wir dazu, das zu denken, was wir schon häufig dachten, also konservativ an neue Probleme heranzugehen.

Motivationen
Handeln dient der Befriedung von Bedürfnissen. Ihre Regulation folgt dabei dem Prinzip der Vermeidung von Unlust und der Suche nach Lust- unbefriedigte Bedürfnisse erzeugen Unlust, ihre Befriedigung Wohlbefinden. Über die basalen Bedürfnisse wie Nahrung,  Schlaf, Wärme, Schmerzvermeidung du Sicherheit hinaus gibt es beim Menschen soziale und informationelle Bedürfnisse. Vor allem die aus diesen entstehenden Motivationen beeinflussen Entscheidungen in kritischen Situationen, so dass die Sachziele manchmal in den Hintergrund treten.

Informationelle Motive: Kompetenzschutz und Neugier
Kompetenz, das Gefühl, etwas bewirken zu können, ist nötig, um überhaupt zu handeln. Menschen haben deshalb ein starkes Motiv, ihr Kompetenzgefühl zu schützen und so die Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten- wenn nötig auch unter Ausblendung der Realität. Aus diesem Motiv erwachsen häufige Ursachen schlechter Entscheidungen, wie z.B. Kanalisierung der Information, ,,Dogmatische Verschanzung“ oder Abkapseln. Daneben wären die Tendenz zu,, Hauruck-Entscheidungen“ und der Demonstration von Stärke sowie die verringerte Selbstreflexion zu nennen.

Auf der andern Seite gibt es ein starkes Motiv nach Ausweisung der Kompetenz. Dieses äußerst sich in Neugier, der Bereitschaft zu Lernen; aber auch in Machstreben, der Bereitschaft, Risiken auf sich zu nehmen etc.

Soziale Motive
Die Einbettung des Menschen in seinen sozialen Kontext scheint unverzichtbar. Wir brauchen die Nähe (,,Affiliation“) und die Akzeptanz anderer Menschen (,,Legitimität“). Beide sind wiederum mit dem Kompetenzgefühl verknüpft. Um Akzeptanz und Status nicht zu gefährden, zensieren Menschen sich selber, akzeptieren unsinnige Entscheidung von Führungskräften etc.

Überwertigkeit des aktuellen Motivs
Die Motivauswahl wird über Prozesse der gegenseitigen Hemmung so gesteuert,
dass das aktuelle, handlungsleitende Motiv gegenüber konkurrierenden abgeschirmt wird. Diese Abschirmung, bei Kuhl (z.B. 1983) ,,Handlungskontrolle“ genannt, führt zu einer Überwertigkeit des aktuellen Motivs: Dadurch wird ,,Verhaltensoszillation“ verhindert, wir können zielgerichtet handeln, ohne uns ablenken zu lassen. Die Kehrseite: Ignorieren von Fernzielen und Fehlen strategischer Planung sowie mangelnde Fern- und Nebenwirkung-
kontrolle
    Dadurch dass aktuelle Bedürfnisse stärker sind als antizipierte, lösen wir die Probleme, die wir im Moment haben, nicht solche, die wir (vielleicht) haben werden (kurzfristige Ausrichtung von Plänen). Ohne Reflexion und massive Willensanstrengung ist das Denken und Handeln kurzsichtig.

Emotionen

Gefühle werden oft als etwas Eigenständiges erlebt, etwas Eigenständiges erlebt, etwas vom Denken Getrenntes. Man kann sie aber als ,,zusammenfassende Situationsbewertung“ auffassen, als das Erleben einer spontanen, unwillkürlichen, ganzheitlichen Bewertung von Ereignissen (z.B. Scherer & Ekman, 1984; Dörner, 1999). Diese Bewertung verläuft schnell und automatisch, sie verarbeitet mehr Informationen, als der bewussten Wahrnehmung zugänglich sind. Gefühle zu erleben oder zu vermeiden kann selber Handlungsziel werden z.B. werden Entscheidungen verzögert, um die Unlustgefühle eines erwarteten Misserfolgs zu vermeiden.

In Situationen, in denen die kognitiven Ressourcen überlastet sind, schalten wir auf eine emotionale Verarbeitung um. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass die emotionale Bewertung nicht mehr durch bewusste Analyse ergänzt wird. Schnelle und einfache Lösungen werden bevorzugt, Reflexion findet nicht mehr statt. Die Problemsicht wird vereinfacht, Lösungen werden danach beurteilt, ob sie,, emotional stimmig“ sind. Dies führt dann zu sachlich inadäquaten Entscheidungen, wenn das Handlungsziel (unbewusst) vor allem die Aufrechterhaltung des eigenen Kompetenzgefühls ist oder die Vermeidung weiterer negativer Emotionen.

,, Alles hängt mit allem zusammen“

Die hier ansatzweise beschriebenen Phänomene und Mechanismen zeigen, dass unsere psychische Regulation selber ein komplexes System ist. Motivationen, Emotionen und Denken sind darin untrennbar vernetzt, wie das folgende Beispiel zeigt:
Komplexe Probleme verlangen Planung, da viele Informationen zu integrieren, viele Teilziele zu erfüllen sind etc. Die Denktätigkeit des Planes bringt an sich (unabhängig vom späteren Erfolg des Plans) emotionale Entlastung während des ausführenden Handelns mit sich, weil dann die Beanspruchung verringert wird (Wiesner, 1995). Verfügt eine Person über einen Plan, nimmt sie an, mit Hilfe dieses Plans die anstehenden Probleme lösen zu können. Das Kompetenzgefühl steigt, was wiederum emotionale Entlastung nach sich zieht. Auf diese Art wird das Planen als belohnend erlebt. Im extremen Fall kann dies dazu führen, dass das Planen um seiner selbst betrieben wird; der Plan kann nicht mehr durch die Ergebnisse des Handelns überprüft werden. Entscheidungen werden hinausgeschoben, Misserfolg wird so vermieden.

Die Ursache für sachlich schlechte Entscheidungsprozesse ist also niemals nur in einem Mechanismus zu suchen. Unser gesamtes psychisches System arbeitet darauf hin, sich selber (kurzfristig) handlungsfähig zu halten und setzt dafür alle verfügbaren Mittel ein.

Fazit

Komplexe Arbeitsfelder stellen Menschen vor erhebliche Anforderungen. Vor allem müssen unsichere Entscheidungen bei begrenzten zeitlichen, materiellen und kognitiven Ressourcen getroffen werden. In kritischen Situationen resultiert daraus leicht Überforderung. Auf diese antworten Menschen mit einer Vielzahl von Strategien, die der Vereinfachung und dem Selbstschutz dienen. Dabei wird das ,,eigentliche“, das inhaltliche Handlungsziel unbewusst zweitrangig. Fehlerhafte Entscheidungen kommen häufig durch psychisch ,,an sich“ sinnvolle Mechanismen zustande und nicht durch Versagen der Beteiligten.

Literatur:

Badke-Schaub, P. (2002a). Planen als sozialer Prozess. In S. Strohschneider & R. von der Weth (Hrsg.), Ja, mach nur einen Plan. 2. Auflage, S. 52-68. Bern: Huber.

Dörner, D. (1999). Bauplan für eine Seele. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
Kahneman, D., Slovic, P. & Tversky, A. (1982). Judement under uncertainty: Heuristics and biases. Cambridge: Cambridge University Press.

Reason, J. (1990). Human error. Cambridge: University Press (dt. Unter dem Titel Menschliches Versagen im Spektrum Verlag, 1994).

Von der Weth, R. (1999): Fehler. Seminarunterlagen Team Resource Managment. Bamberg: Unveröffentl. Manuskript.

 

Differentielle Psychologie

"Befangenheit"

 

Befangenheit, oft mit Angst verbundene Emotion, die z.B. auftritt, wenn man sich in irgendeiner Form von allen anderen Anwesenden unterscheidet. S. Duval und R. A. Wicklund nannten diesen Zustand "objektive Selbstbewußtheit", d.h. man ist sich dessen bewußt, ein Objekt für andere (ein Objekt der Beobachtung) zu sein. Befangenheit wird hervorgerufen durch das Eindringen in den persönlichen Bereich oder in die Privatsphäre oder durch unbeabsichtigte Selbstenthüllung. Manche Menschen sind befangener als andere und leiden stärker unter der Angst z.B. vor Publikum (Differentielle Psychologie).

Lit. : Lexikon der Psychologie